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Tonsillitis / Entzündliche Erkrankungen der Gaumenmandeln

 

Wenn Kinder unter Konzentrationsschwäche leiden, hyperaktiv sind und ihnen das Lernen in der Schule schwer fällt, können die Gründe dafür sehr unterschiedlich sein. Eine häufig unterschätzte Ursache ist gestörter bzw. nicht erholsamer Schlaf aufgrund chronisch vergrößerter Gaumenmandeln. Diese blockieren die oberen Atemwege des Kindes und erschweren das Atmen während der Nacht.

Bis zu 2 Prozent aller Kinder im Kleinkindesalter leiden unter dem obstruktiven Schlafapnoe Syndrom (OSAS), das erhebliche Atemstörungen während der Nacht verursacht. Die Symptome sind häufiges Schnarchen, eine angestrengte Atmung bzw. Mundatmung und in vielen Fällen sogar Atemaussetzer von mehr als 10 Sekunden. Diese Atempausen führen zu einer mangelnden Sauerstoffversorgung und einem Abfall der Sauerstoffsättigung im Blut, wodurch wiederum eine Aufweckreaktion des Körpers (Arousal) ausgelöst werden kann. Bei bis zu 100 Arousals pro Nacht ist es nur natürlich, dass der Körper morgens nicht erholt ist und das Kind unter Tagesmüdigkeit, Konzentrationsstörungen, Antriebs- und Appetitlosigkeit leidet. Je nach Dauer der Störung kann es sogar zu Entwicklungs-, Sprach- und Verhaltensstörungen wie Hyperaktivität, Irritabilität und Bettnässen kommen.

Daher sollten Eltern bei Auftreten eines oder mehrerer der beschriebenen Symptome einen HNO-Arzt aufsuchen, der eine genaue Diagnose stellt und Behandlungsoptionen aufzeigt. Bei akuter Tonsillitis (entzündete Mandeln), verursacht z.B. durch Infektionen, kann eine medikamentöse Behandlung helfen, bei wiederkehrenden Beschwerden ist eine operative Entfernung der Gaumenmandeln (Tonsillektomie) angezeigt.

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Vergrößerte Gaumenmandeln vor der Behandlung (links) und Volumenreduktion 3 Wochen postoperativ (rechts) (Fotos: Klimek, Spielhaupter)



Sind die Mandeln jedoch nicht entzündet, sondern liegt eine chronische Vergrößerung infolge häufiger vergangener Entzündungen oder als Zeichen der Immunabwehr vor, ist eine Entfernung der Gaumenmandeln nicht immer erforderlich. Gerade im Kindesalter ist es wünschenswert, die Mandeln so lange wie nur möglich zu erhalten, da sie einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung des Immunsystems leisten. Darüber hinaus ist dieser Eingriff nicht nur mit postoperativen Schmerzen verbunden, sondern birgt auch erhebliche Risiken: Noch eine Woche nach der Behandlung kann es zu gefährlichen Nachblutungen kommen. Treten diese beispielsweise während der Nacht auf und bleiben unbemerkt, kann es im schlimmsten Falle zu einem tödlichen Blutverlust kommen.

Heute gibt es zur Behandlung chronisch vergrößerter Gaumenmandeln sehr gute Organ erhaltende Operationsmethoden. Eine davon ist die schonende Reduzierung des lymphatischen Gewebes durch Radiofrequenzstrom. Bei dieser minimal invasiven Therapieform wird das betroffene Gewebe mithilfe eines millimeterdünnen Radiofrequenz-Applikators auf etwa 80 Grad Celsius erwärmt und schonend koaguliert. Das so deaktivierte Gewebe wird vom Körper erkannt und innerhalb kurzer Zeit abgebaut. Die Folge ist eine Schrumpfung und Volumenreduzierung des Gaumenmandelgewebes.

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Bipolarer RFITT Applikator Celon ProSleep (Foto: Celon AG medical instruments)


In einer Studie des Rhinologischen Zentrums in Wiesbaden wurden Wirksamkeit und Verträglichkeit dieser neuen Therapieform an 137 Patienten, darunter 98 Kinder unter von 2 bis 10 Jahren, untersucht:

Die Studie ergab, dass eine einzelne Behandlungssitzung, bei Kindern unter Vollnarkose, bei Erwachsenen auch unter Lokalanästhesie möglich, eine Volumenreduktion von ca. 40% erzielt. Aufgrund des schonenden Eingriffes, der im Schnitt weniger als 10 Minuten dauert, konnten die Patienten spätestens einen Tag nach der OP, häufig sogar schon am gleichen Tag nach Hause entlassen werden.

Ein weiterer Vorteil der minimal invasiven Volumenreduzierung gegenüber der operativen Entfernung der Gaumenmandeln ist die sehr geringe post-operative Schmerzbelastung. Wie die Grafik verdeutlicht, ist die von den Patienten empfundene Schmerzbelastung nach dem Radiofrequenz-Eingriff nur halb so groß wie nach einer klassischen Resektion. Bei beiden Behandlungsmethoden ist die Schmerzbelastung zwischen dem 2. und 4. Tag am größten und fällt dann stetig ab. Allerdings sind selbst die höchsten Schmerz-Werte der RF-Behandlung (Tag 2) erheblich geringer als bei der Tonsillektomie noch eine Woche nach dem Eingriff!

Da bei der minimal invasiven Volumenreduzierung keine Blutgefäße verletzt werden, kann das Risiko schwerer post-operativer Blutungen prinzipiell ausgeschlossen werden. Auch während des Studienverlaufs – die Patienten wurden bis zu 6 Monate nach der Behandlung beobachtet – traten keinerlei ernsthafte Komplikationen auf. Nach etwa 3 Monaten war eine durchschnittliche Verkleinerung der Gaumenmandeln von 37% zu verzeichnen, dieser Wert stabilisierte sich in den darauf folgenden 3 Monaten.

Fazit: Im Gegensatz zur operativen Totalentfernung, die nach wie vor Standard ist, stellt die minimal invasive Volumenreduzierung der Radiofrequenz-Therapie eine interessante Behandlungsalternative bei nichtentzündlichen vergrößerten Mandeln dar. Nur bei sogenannten „kissing tonsils“ (Kontakttonsillen) ist die Radiofrequenz-Therapie nur in Kombination mit einer Tonsillotomie, z.B. mit dem Laser, angezeigt. Erheblich geringere Schmerzbelastung, kein postoperatives Blutungsrisiko und eine Erhaltung der Tonsillen in ihrer wichtigen Funktion sind deutliche Vorteile dieser neuen, innovativen Behandlungsmethode. Darüber hinaus ist der Eingriff ambulant durchführbar und dauert nur wenige Minuten.

Neben Hals-Nasen-Ohrenärzten sollten auch insbesondere Kinderärzte die Eltern über diese neue Therapiemethode informieren, die von spezialisierten HNO-Ärzten angeboten wird. Die Behandlungskosten werden von den Privaten Krankenkassen übernommen, gesetzliche Krankenversicherer tragen die Kosten in der Regel nicht.

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Postoperative Schmerzbelastung mit visueller Analogskala
Grün: Tonsillektomie, rot: Radiofrequenz-Therapie (Grafik: Klimek, Spielhaupter)



Grundlagen der bipolaren und multipolaren Radiofrequenz-Technologie

Die bipolare Radiofrequenz-Technologie zeichnet sich dadurch aus, dass beide Elektroden räumlich möglichst nah auf einem Applikator angeordnet sind. Der Strom fließt ausschließlich zwischen diesen beiden Elektroden, das Anbringen einer Neutralelektrode entfällt. Dadurch können Risiken der monopolaren Technologie, wie vegetative Störungen des Patienten oder gar Verbrennungen, weitestgehend vermieden werden. 

Zur Erzeugung großer Koagulationsvolumina können bis zu drei bipolare Applikatoren – insgesamt sechs Elektroden – verwendet werden. Hierbei handelt es sich um die multipolare Radio-frequenz-Technologie.

Bei der Tiefenkoagulation kann die Volumenreduktion von überschüssigem Gewebe oder auch eine großvolumige Zerstörung von benignen oder malignen Tumoren erfolgen.gaumen5

Die Informationen auf dieser Internet-Seite sind nicht für Ärzte und Patienten in den USA bestimmt. Produktverfügbarkeit und Verwendungszweck können je nach Land verschieden sein. 
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